Leitung
Prim. Dr. Rainer Heider
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Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe

Untersuchungen in der ersten Schwangerschaftswochen

Untersuchungen am Anfang der Schwangerschaft (erstes Trimenon)

Ersttrimesterscreening

Zwischen der 12. Schwangerschaftswoche (11+0) und der 14. Schwangerschaftswoche (13+6) ist es möglich, eine Reihe sehr spezieller  Untersuchungen durchzuführen.  Basis ist das sogenannte Ersttrimesterscreening (früher auch Nackenfaltenmessung), bei dem das Baby erstmalig „von Kopf bis Fuß“ genau untersucht werden kann. Grobe Auffälligkeiten können so schon sehr früh ausgeschlossen werden. Zudem kann eine Risikoeinschätzung bezüglich schwerer genetischer Störungen  (Down Syndrom, Trisomien) getroffen werden.

Zu diesem letzten Punkt ist wichtig zu wissen, dass das sonografische (mittels Ultraschall) Ersttrimesterscreening keine Diagnose liefert, sondern eine Risikoberechnung darstellt, also lediglich angibt, wie wahrscheinlich (oder wenig wahrscheinlich) es ist, dass der betreffende Embryo (Baby)eine genetische Erkrankung hat. Eine Diagnosestellung kann nur durch eine invasive Untersuchung (Fruchtwasserpunktion oder Biopsie aus Zotten der Nachgeburt) erfolgen, wobei das Risiko, dass durch diese Untersuchungen eine Fehlgeburt ausgelöst wird, etwa bei 1:100 liegt, in den meisten Fällen also sehr viel höher ist, als das Risiko für eine genetische Erkrankung!

 

Combined-Test

Fügt man dem sonografischen (= durch Ultraschall) Ersttrimesterscreening noch das Ergebnis von zwei mütterlichen Blutwerten, welche ab der 10. Schwangerschaftswoche (9+0) bestimmt werden können (freies Beta HCG und PAPP A) hinzu, so spricht man vom Combinedtest. Hier wird die Risikoeinschätzung bezüglich Trisomien (s.o.) noch einmal etwas genauer. Die Ultraschalluntersuchung ist gleich wie beim Ersttrimesterscreening. Entscheiden Sie sich erst nach dem Erst Trimester Screening zur zusätzlichen Blutuntersuchung, so bringt dies zwar gute zusätzliche Information, genauer sind die Ergebnisse aber, wenn man die Blutuntersuchung in der 10.Schwangerschaftswoche mit dem Ultraschall in der 12.-14. Schwangerschaftswoche kombiniert.

Die Ergebnisse vom Bluttest und vom Ultraschall werden dann bei der Risikoberechnung wie bereits beschrieben berücksichtigt.

 

Präeklampsiescreening

Wird den Blutwerten des Combinedtests noch ein weiterer mütterlicher Blutwert hinzugefügt (PLGF) so kann man in Kombination mit einer Untersuchung der Gefäße der Gebärmutter und vom mütterlichen Blutdruck einschätzen, wie hoch das Risiko der Schwangeren für eine sogenannte „Schwangerschaftsvergiftung“ ist. Dies wird im Fachausdruck als Präeklampsiescreening bezeichnet.

Die Präeklampsie ist eine seltene (unter 5%), aber sehr ernste Erkrankung des letzten Schwangerschaftsdrittels, bei der es zu einer Kombination von Blutdruckanstieg und/oder Eiweiß im Harn und/oder Veränderungen der Blutgerinnung bei der Schwangeren kommt. Dabei sind sowohl Mutter als auch Kind gefährdet.

Ergibt nun das Präeklampsiescreening in der Frühschwangerschaft ein erhöhtes Risiko, später daran zu erkranken, kann die Gabe von Medikamenten bereits ab Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels dieses Risiko deutlich vermindern.

 

Nichtinvasive genetische Pränataldiagnostik (NIPT)

Die neueste pränataldiagnostische Untersuchung ist der NichtInvasive genetische PränatalTest (NIPT). Hier wird Erbinformation des Kindes, welche im Blutkreislauf der Mutter „schwimmt“ durch hochkomplizierte Methoden gesammelt.

Damit wird eine genetische Untersuchung des ungeborenen Kindes erstmals möglich, ohne das Kind durch eine Punktion (Fruchtwasseruntersuchung/Mutterkuchenuntersuchung) zu gefährden.  Der Test liefert aber keine Informationen über andere Auffälligkeiten, wie es der Ultraschall durchaus kann. Zum jetzigen Stand der Wissenschaft (August 2015), wird er von der Fachgesellschaft bei auffälligem Ultraschall oder eben auf Wunsch von Ihnen empfohlen.

Das Ergebnis des Tests erhält man ca.2-3 Wochen nach der Blutabnahme.

 

Choriozottenbiopsie und Fruchtwasserpunktion

Hierbei wird in örtlicher Betäubung ultraschallkontrolliert Gewebe aus dem Mutterkuchen(= Chorionzottenbiopsie) oder Fruchtwasser (erst ab der 15./16. Schwangerschaftswoche möglich) gewonnen. Damit erhält man kindliche Zellen, die dann auf genetische Veränderungen untersucht werden können. Bei einem Schnelltest erhält man das Ergebnis und damit auch eine Diagnose innerhalb von 2-3 Tagen, der Langtest dauert ca. 14 Tage.

Man nennt diese Verfahren „invasiv“, weil man eben im Gegensatz zu den bisher beschriebenen Tests direkt kindliche Zellen gewinnt und dadurch den Feten auch gefährden kann, also im schlimmsten Fall auch eine Fehlgeburt provozieren kann (in ca.1%).

Diese Untersuchung wird derzeit nur bei auffälligem Ersttrimesterscreening und/oder Combinedtest empfohlen, wird aber auch auf ausdrücklichen Wunsch Ihrerseits durchgeführt.

 

Kosten

Liegt ein medizinischer Grund oder Verdacht vor (Indikation) werden die Kosten für Erstrimesterscreening, Combined Test und Chorionzottenbiopsie oder Fruchtwasserpunktion von der Sozialversicherung getragen. Ist dies nicht der Fall, so sind die Kosten selbst zu tragen:

  • Ersttrimesterscreening(Ultraschall): ca.103 Euro
  • Combined-Test(Ultraschall + Blutwerte): ca. 173 Euro (als Summe von 2 Rechnungen)
  • Nur freies ß HCG und PAPP A alleine (Ihr Facharzt/ärztin macht den Ultraschall): ca.71 Euro
  • Präeklampsiescreening: ca.163 Euro (als Summe von 2 Rechnungen)
  • Nur Bestimmung von PlGF (Ultraschall und Blutdruckwerte durch Ihre/n Facharzt/ärztin): ca.60 Euro
  • Combinedtest plus Präeklampsiescreening: ca. 270 Euro (als Summe von 3 Rechnungen)
  • NIPT Test: ca. 460 Euro(Sept 2015!-ändert sich sehr rasch)

 

Organisatorisches

Wünschen Sie, nach einem ergänzenden Gespräch mit Ihrem betreuenden Arzt/Ärztin, dass eine oder mehrere dieser Untersuchungen am BKH Kufstein durchgeführt werden, so bitten wir Sie, möglichst bald Kontakt mit dem Sekretariat der Abteilung aufzunehmen, um einen Termin zu vereinbaren. Dabei ist der exakte Geburtstermin ebenso wichtig wie die Entscheidung, welche Untersuchung(en) durchgeführt werden sollen.

Bitte beachten Sie, dass die Preise nur für 2015 gelten und Änderungen unterliegen können!

Kufstein, September 2015